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Gold-Architektur im städtischen Skulpturenpark

Für die international renommierte Freiluft-Ausstellung Skulptur Projekte Münster 07 entstand ein temporäres Bauprojekt mit einem vorbildlich gelungenen Bezug zu Standort und Ereignis. Das switch+ benannte Informationszentrum des 106-Tage-Kunstprojektes beweist schon in den ersten Tagen seiner Nutzung einen hohen Aufmerksamkeitswert. Eindrucksvoll ausgestattet mit seiner goldglänzenden perforierten Fassade aus der neuen Kupferlegierung TECU® Gold, provoziert das Objekt auf unwiderstehliche Art eine nähere Betrachtung und erweist sich dabei als konsequente räumliche und ästhetische Inszenierung.

Vom 17.6. bis zum 30.9.2007 findet zum vierten Mal das im 10-Jahres-Rhythmus wiederkehrende Kunst-Ereignis Skulptur Projekte Münster statt. Im Gegensatz zur größeren Nachbarin documenta XII, die zeitlich parallel nur etwa 200 Kilometer entfernt im mitteldeutschen Kassel stattfindet und als eine der weltweit wichtigsten Kunstausstellungen gilt, lässt die jüngere und in der Kunstszene immer beliebtere Projektschau der westfälischen Provinz-Metropole Münster ihre Exponate ausschließlich im öffentlichen Raum unter intensiver Einbeziehung der Gegebenheiten vor Ort entstehen. Werden in Kassel mit kontrovers diskutiertem Erfolg temporäre Räume eigens für die präsentierte Kunst gebaut, zeigt Münster mit den meisten Skulpturen befristete Installationen inmitten einer relativ beständigen bebauten Umgebung. So schaffen viele der 36 an der Ausstellung beteiligten Künstler mit ihren Arbeiten eine deutliche und spannende Kommunikation zum Thema Raum, Stadt und Architektur: Hans-Peter Feldmann sorgt mit seiner Arbeit für eine Sanierung der öffentlichen Toiletten am Domplatz; Giullaume Bijl inszeniert eine Ausgrabungsstätte und lässt eine typisch deutsche Kirchturmspitze aus einem tiefen Erdloch ragen; Bruce Nauman realisiert endlich sein 1977 von der hiesigen Baubehörde nicht genehmigtes Projekt und versenkt eine umgekehrte begehbare Pyramide im Boden. Projekte, die bei einem wachsenden Publikum Aufmerksamkeit erregen: In diesem Jahr rechnet die Projektleitung der Skulpturenausstellung mit 500.000 Besuchern.

Mit der Realisation des Informations-Pavillons switch+ wird das konsequent stadtbezogene Konzept der Skulptur Projekte Münster 07 durch eine gelungene temporäre Architektur verdeutlicht. Auf einem freien und bisher ungenutzten Platz zwischen dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und dem Projektbüro der Ausstellung entstand nach Planung und unter Leitung des Münsteraner Büros modulorbeat ein zwölf Meter hohes Parallelflach, das durch seine allseitige Bekleidung mit der neuen Kupfer-Aluminium-Legierung TECU® Gold interessante Bezüge zwischen direkter Umgebung und der eigenen Funktionalität herstellt. Die goldene Oberfläche nimmt zunächst die Farbe des vom Künstler Martin Schmidl gestalteten Schriftzugs für die Skulptur Projekte Münster 07 auf, der auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Pavillon die Fassade schmückt, hinter der das Ausstellungsbüro beherbergt ist. Mit Farbe, Materialität und ihren homogen verteilten Rundperforationen mit unterschiedlichen Durchmessern reagiert die Gebäudehülle zugleich auf das Relief der Lichtinstallation Silberne Frequenz, die der Künstler Otto Piene in den siebziger Jahren für die gegenüber liegende Museumsfassade geschaffen hat. Die Funktion des switch+ Pavillons erschließt sich bei Hinterfragung seines Namens: Der zur Straßenecke gewandte ostseitige Teil der unteren Fassadenhälfte ruht auf Gleitrollen und kann wie eine Halbschale so verschoben werden, dass sich die beidseitigen Eingänge zum Infocenter schließen bzw. öffnen. Dabei entstehen unterschiedliche “Weichenstellungen” als Empfehlungen für den Weg der Passanten, die so im geöffneten Zustand auf der einen Seite direkt in den südlichen Eingang zum Infostand geleitet werden, auf der anderen – über eine im Rahmen der Platzgestaltung geschaffene zerklüftete Landschaft aus unterschiedlich hohen und unregelmäßig angeordneten Stufen und Ebenen aus Bausperrholz – zum nördlichen Eingang. Die Buchhandlung im Mittelgeschoss wird über den höher gelegenen Zugang an der Westseite erreicht, wo man über eine Holztreppe auch zur “Dachterrasse” des Cafés im oberen Stockwerk gelangt. Von innen betrachtet zeigt sich das Gerüst des Pavillons als einfache Stahlraster-Konstruktion, auf der die TECU® Gold-Kassetten ohne Unterkonstruktion direkt verschraubt sind; die Fußböden bestehen aus einer Lattung mit Bausperrholzauflagen. Mit Ausnahme der Buchhandlung, die rundum mit LKW-Planen vor Wind und Wetter geschützt ist, sind alle anderen Bereiche nur durch die perforierte Metallhaut von der Außenwelt getrennt. Dadurch ergeben sich von innen wie von außen faszinierende Durchblicke. Vor allem in der Dämmerung, wenn die Innenbeleuchtung den Pavillon gleichsam glühen lässt und durch die Perforationen einen sanften Schimmer auf die goldene Oberfläche legt, entsteht im Duett mit der aktivierten Lichtinstallation an der Fassade des Landesmuseums ein interessantes Spiel aus Licht und Raum, das angesichts des dringenden Renovierungsbedarfs der Piene-Arbeit erstaunlich faszinierend ausfällt. Die Reaktionen auf den für das Münsteraner Stadtbild ungewöhnlichen Pavillon und seine Aufsehen erregende goldene Hülle sind vielfältig: Passanten fotografieren das Objekt so intensiv wie die ausgestellten Skulpturen, berühren ungläubig die angenehm glatte Oberfläche, ertasten die Perforationen als suchten sie nach Erklärungen für das beeindruckende Fassadenbild. Kinder aus der benachbarten Sommerakademie toben über die hölzerne Stufenlandschaft zwischen Pavillon und Museum, pusten ihre Seifenblasen in die Luft und fügen damit unbewusst den gegenüberliegenden Fassadenbildern eine weitere gestalterische Komponente hinzu – spontane Stadtplanung ohne Langzeitkonzept. Einige Besucher des Cafés zeigten sich bereits empört über das Vorhaben, die “schönste Sonnenterrasse in der Innenstadt” nach 106 Tagen wieder abzubauen. Aber dieses Schicksal teilt das Objekt mit den meisten ausgestellten Kunstwerken. Nach dem 30. September beginnt der Rückbau, die “goldenen” Fassadenbauteile gehen dann zurück an den Hersteller KME Germany in Osnabrück, wo sie zur Wiederverwendung vollständig recycelt werden. Kleine Stücke bleiben allerdings zur Erinnerung erhalten: Einige der zur Perforierung ausgestanzten Plättchen werden, mit dem Schriftzug der Skulptur Projekte Münster 07 versehen, im switch+ zum Kauf angeboten.

Die Betreiber des Büros modulorbeat, Marc Günnewig und Jan Kampshoff, haben sich mit unterschiedlichen Aktivitäten im Bereich Stadtbau-Kultur, Stadtplanung und Architektur in Münster bekannt gemacht. Schon während des Studiums mit dem relativ neuen Abschluss Master of Art and Architecture wurden im Rahmen ihrer Partys Vorträge zu diesem Themenbereich organisiert. Später folgten Raumgestaltungsprojekte, die unter anderen auch die Organisatoren der Skulptur Projekte Münster auf das Büro aufmerksam machten. Als für die Vorbereitung der aktuellen Skulpturenausstellung vornehmlich Akteure vor Ort gesucht wurden, kam modulorbeat mit einem Entwurf auf den Plan, der sofort Zustimmung fand. Da die Farbe Gold unverrückbarer Bestandteil dieses Entwurfes war, kam man schließlich auf TECU® Gold als einzig in Frage kommenden Werkstoff. Die neue Kupfer-Aluminium-Legierung, einer von vielen Kupferwerkstoffen der Marke TECU® aus dem Hause KME, bewies für das Projekt einzigartige Vorteile: eine unverwechselbar schöne Oberfläche, extreme Haltbarkeit, leichte Verarbeitung und vollständige Recyclingfähigkeit. Dank Unterstützung von KME sowie der Firma BSW Anlagenbau in Everswinkel, die Zeichnungen der einzelnen perforierten Fassadenelemente zur Nutzung in einem CAD-System umwandelten und die Stanzung und Kantung der einzelnen TECU® Gold Tafeln übernahm, stand der technischen Realisation von switch+ nichts mehr im Wege. Dank einer finanziellen Unterstützung des ambitionierten Projektes durch das Ministerium für Stadtplanung NRW konnte das Projekt schließlich auch auf eine solide wirtschaftliche Basis gestellt werden.

Switch+ ist erstaunlicherweise das erste wirkliche Architekturprojekt, das bisher von modulorbeat realisiert wurde. Der hohe Aufmerksamkeitswert des Projektes, das hohe Renommee der Veranstaltung Skulptur Projekte Münster 07 und die allgemein überaus positive Beurteilung der Arbeit lassen erwarten, dass es nicht das letzte ist. The beat goes on.

Objekt: switch +, Info-Pavillon für die Ausstellung Skulptur Projekte Münster 07
Planung/Realisation: Büro modulorbeat, Marc Günnewig und Jan Kampshoff, Münster
Fertigstellung: Juni 2007
Rückbau: September 2007
Fassadenwerkstoff: TECU® Gold, Kupfer-Aluminium-Legierung
Hersteller: KME Germany AG
Perforierung: BSW Anlagenbau, Everswinkel (D)
Verarbeitung am Bau: rückwerk, Münster

13-07-2007 um 00:00

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